Die Geschichte des Alexanderplatz

Kaum ein Platz in Deutschland hat so viele Umbrüche erlebt wie der Alex. Vom mittelalterlichen Viehmarkt zum sozialistischen Aushängeschild.

Die Anfänge: Ochsenmarkt vor dem Königstor

Wo heute der Fernsehturm in den Himmel ragt, standen im Mittelalter Rinder. Der spätere Alexanderplatz lag vor dem Königstor, außerhalb der Stadtmauern des alten Berlin, und diente als Handels- und Viehmarkt. Ochsen wurden hier verkauft, weshalb der Ort lange schlicht „Ochsenmarkt" hieß. Ein pragmatischer Name – wie so vieles am Alex.

Mit der Erweiterung der Stadt wanderte die Handelstätigkeit näher heran. Bereits im 17. Jahrhundert entwickelte sich hier eine der belebtesten Ecken Berlins.

1805: Der Namensgeber

Am 25. Oktober 1805 besuchte Zar Alexander I. von Russland Berlin. Preußen und Russland verhandelten damals über ein Bündnis gegen Napoleon. Aus diesem Anlass wurde der bisherige „Königs Thor Platz" umbenannt – in Alexanderplatz. Der Name blieb, das Bündnis hielt weniger lang.

Die Umbenennung war politische Symbolik pur. Ein knappes Jahr später wurde Preußen von Napoleon bei Jena und Auerstedt vernichtend geschlagen. Der Name des russischen Kaisers auf dem Berliner Platz überdauerte allerdings alle Kriege, Regime und Umbenennungswellen der folgenden 200 Jahre.

Vom Vorstadtplatz zum Verkehrsknoten

Mit der Industrialisierung explodierte Berlin. Aus 170.000 Einwohnern um 1800 wurden bis 1900 fast zwei Millionen. Der Alexanderplatz lag plötzlich mittendrin. 1882 eröffnete der Bahnhof Alexanderplatz als Teil der neuen Berliner Stadtbahn. Kaufhäuser entstanden – Hermann Tietz und Wertheim gaben dem Platz ein bürgerliches Gesicht.

Die Goldenen Zwanziger und Alfred Döblin

1929 erschien Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz" – die Geschichte des kleinen Ganoven Franz Biberkopf, der aus dem Gefängnis kommt und versucht, ein anständiger Mensch zu werden. Der Alex ist Kulisse, aber auch Schicksal: laut, dreckig, unbarmherzig, faszinierend.

Zur gleichen Zeit entstanden am Platz zwei Bauten, die den Zweiten Weltkrieg überlebten und heute unter Denkmalschutz stehen: das Berolinahaus und das Alexanderhaus, beide 1932 nach Entwürfen von Peter Behrens fertiggestellt.

Zerstörung 1945

Der Zweite Weltkrieg nahm dem Alexanderplatz sein altes Gesicht. Bei den Bombenangriffen 1943 und 1944 sowie in den letzten Kriegstagen 1945 wurden die meisten Gebäude zerstört oder schwer beschädigt. Berolinahaus und Alexanderhaus überstanden – gerade noch.

DDR-Umbau: Weltzeituhr, Fernsehturm, Betonmoderne

In den 1960er Jahren begann die grundlegende Neugestaltung. Der Platz wurde vergrößert, autofrei gemacht und mit den Wahrzeichen ausgestattet, die ihn bis heute prägen:

4. November 1989: Die größte Demonstration der DDR

Wenige Tage vor dem Mauerfall wurde der Alexanderplatz zur Bühne der friedlichen Revolution. Am 4. November 1989 versammelten sich zwischen 500.000 und einer Million Menschen zur größten nicht staatlich organisierten Demonstration in der Geschichte der DDR. Fünf Tage später fiel die Mauer.

Der Alex heute

Rund 360.000 Menschen passieren den Platz an einem durchschnittlichen Werktag. Er ist Verkehrsknoten, Einkaufsmeile, Touristenmagnet und Alltagsort in einem. Er ist nicht schön im klassischen Sinn. Er ist nicht ruhig. Er ist nicht gepflegt. Aber er ist echt Berlin – mit allem, was das bedeutet.